. . .  WORÜBER NOCH GESCHRIEBEN WERDEN MUSS . . .
***** R A D A R S T R A H L U N G ***** 

Wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe, muss ich unbedingt noch einmal über Radarstrahlung sprechen.
Ich tue dies an dieser Stelle, da ich vor allem in meiner Arbeit als P-15-Stationsleiter in der FuTK-512 Steinheid vom
17.08.1975 - 30.11.1978 und auch darüber hinaus eigentlich selbst betroffen war und es möglicherweise heute noch bin !?
Bis zur Wende wurde in der DDR das Problem eventueller Schädigungen durch Radarstrahlungen nicht thematisiert.
Es gab sie offiziell nicht.
 Unter den Radarsoldaten der NVA gab es schon immer die Überzeugung, dass es sicherlich bestimmte Einflüsse der stark
gebündelten, hochfrequenten Radarstrahlen auf den menschlichen Körper geben wird. Aber man ging davon aus, dass dies
nur in unmittelbarer Nähe strahlender Radarantennen auftreten würde und man sich deshalb nicht länger als notwendig in
der Nähe arbeitender Stationen, und schon gar nicht in deren Strahlernähe aufhalten sollte.
Es hielt sich auch hartnäckig das Gerücht, dass an Radartechnik arbeitende Soldaten im Rahmen der Familienplanung
nur Töchter zu erwarten hätten, aber ich bin selbst ein Beispiel dafür, dass das wahrscheinlich absoluter Unfug ist.
Daneben machte man sich aber ernstere Gedanken, wenn man Diskussionen über Zeugungsunfähigkeit oder Impotenz hörte!
Mit Sicherheit spielt der unmittelbare Strahlungsbereich hochgebündelter Energie eine gewisse Rolle bei der Schädigung
des menschlichen Körpers. Man berichtet ja auch von Vögeln, die beim Vorbeiflug in Strahlernähe einer Funkmessstation tot
vom Himmel gefallen seien, aber im Rahmen der Beurteilung von Schädigungen durch Radartechnik spielt dieser Fakt
offensichtlich keine wesentliche Rolle und bleibt ausserhalb der Betrachtung, weil solche Einflüsse noch viel zu wenig
wissenschaftlich erforscht sind.
Man hat heute in der Öffentlichkeit ja gerade mal erst begonnen über den sogenannten
"Elektro-Smog" nachzudenken.

Ich selbst habe, neben meiner aktiven Arbeit als Stationsleiter auf der P-15, auch noch 6 Jahre lang im Unterkunftsgebäude
der FuTK gewohnt, zwar mit entsprechendem Abstand zu den Stationen, aber immer in der Strahlerebene und sozusagen
Tag und Nacht unter hochfrequenter Dauerbestrahlung, wie auch alle kasernenpflichtigen Soldaten !


Quelle : Screenshot Film "GFO"

Noch schlimmer dran waren die Soldaten der Wache, die tagsüber als LuPo (Luftbeobachtungsposten) auf dem Postenturm
der Einheit - genau in Strahlerhöhe, nur 20 m Luftlinie von der P-15-Stellung entfernt - ihren Dienst versehen mussten.


Quelle : eigene Sammlung FM 351
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Erst Mitte der 90-er Jahre kamen ernsthafte Diskussionen über "Gesundheitsschäden durch Radarstrahlen" auf und es
kam zu ersten Klagen von Opfern vor deutschen Gerichten. Die anschliessend beginnende Untersuchungen konzentrierten
sich in erster Linie auf das Betriebs-, Wartungs- und Instandsetzungspersonal von Radarstationen der Bundeswehr und NVA,
und dort speziell auf den Einfluss von schädigenden Strahlungensquellen
innerhalb der Radarstationen.
 Man stellte fest, dass Radarröhren, insbesondere Magnetrons, Thyratrons, Schalttetroden und Wanderfaldröhren
enorme
Röntgen-Nebenstrahlungen erzeugen, denen das in unmittelbarer Nähe der Senderschränke arbeitende Personal
in unterschiedlicher Intensität ständig ausgesetzt war.
 Erst im Jahre 2002 wurde auf Ersuchen des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags eine
Radarkommission
durch das BMVg zur Untersuchung der Problematik in Bundeswehr und NVA eingesetzt. Diese, vor allem mit hochrangigen
Medizinern besetzte Kommission, lieferte im Juli 2003 ihren Abschlussbericht.



Dieser Bericht ist noch auf der Web-Seite ...



 ... einsehbar und für Interessenten auch als pdf-Datei herunterladbar.

Für mich persönlich sehr emotional war die Filmdokumentation

"Tödliche Strahlung - Die Radarsoldaten der NVA"
,
von Galina Breitkreuz. In dieser Reportage geht es unter anderem auch um den ehemaligen Soldaten Ulrich Schmidt, den
ich persönlich kenne und der als Funkorter auf der P-15A von Ltn. Ludwig in der FuTK-512 seinen Wehrdienst geleistet hat.
Herr Schmidt arbeitet von 1975 bis 1976 dort auf der dm-Station und ist seit 2002 von Leukämie betroffen.

Ich kann wiklich nur versichern, dass auch wir, als Offiziere auf den Stationen 03 der FuTK-512 keine Ahnung hatten, welchen
Gefahren wir eigentlich ausgesetzt waren. Niemand, weder an der OHS in Kamenz, noch im FuTB oder der FuTK, hat uns vor
diesen unsichtbaren Gefahren gewarnt und so konnten auch wir keine Warnungen weitergeben.
Höchstwahrscheinlich sind bereits drei meiner ehemalgen Steinheider Kameraden von damals Opfer dieser versteckten,
schleichenden Gefahr geworden und sind an ihrer Krebserkrankung gestorben.
Hätten sie von den wirklichen Gefahren, die da lauerten, gewusst, dann hätten sie dies mit Sicherheit in ihrer Arbeit an der
Technik berücksichtigt und hätten sicher viel umsichtiger und vorsichtiger gehandelt, und auch ihre Soldaten darüber belehrt.


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Wir waren damals oft, gerade am Wochenende zusammen unterwegs - im Steinheider "Marktcafe" bei unseren
"Mutter Gertrud und Vater Walter" sonntags zum Thüringer Klösse essen,
in der "Grundmühle" in Neumannsgrund beim "Karpfen Blau" oder in Neuhaus im Kulturhaus zur DISCO :
Olt. Peter Auerswald, Ltn. Norbert Thiel und ich Ltn. Detlef Knoth.
Erstes Opfer mit - Gehirntumor - war der Peter - ehemaliger Stationsleiter der P-12 in Steinheid - ca. 1977/78,
damals aber schon von Steinheid an einen anderen Dienstort abversetzt.
Als nächstes erwischte es meinen besten Freund Norbert Thiel, nur wenige Jahre nach seiner Hochzeit und der Geburt seiner
Tochter Jana  - Gehirntumor - ! Auch er war ein ehemaliger P-15 Stationsleiter. Lange hat er gegen die Krankheit gekämpft,
aber den Kampf dann schliesslich doch verloren.
Er ist am 21.12.1983 verstorben und wurde am 06.01.1984 mit militärischen Ehren auf dem Friedhof in Steinheid beigesetzt .
Ich habe mit ihm drei Jahre lang in einem Junggesellenzimmer innerhalb des Objektes der FuTK zusammen gewohnt -
Ruhe In Frieden mein Freund !

                    

Als Dritten im Bunde erwischte es unseren "Ebs"  - Eberhard Schmidt aus Heldburg - unser alter StKTA und früher ebenfalls
ein P-15 Stationsleiter, war zum Zeitpunkt des Krebsausbruches schon aus dem Dienst entlassen.
Alle drei sind tot !!!
Ich warte nun eigentlich jährlich darauf, dass es auch mich irgendwann erwischt, aber ich hatte bisher wirklich Glück !
Selbst meine aktuelle Vorsorge von 2013 zeigt keine Auffälligkeiten beim CEA- und PSA-Marker und auch sonografisch scheint
alles in Ordnung zu sein.  Hoffentlich muss ich nicht irgendwann etwas anderes berichten !

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Ich versuche mal aufzuzeigen, was ich über die Strahlungsprobleme bei der russischen Tiefflug-FuMS P-15
bis heute herausgefunden habe und welcher Kenntnisstand sich heute daraus ergibt :



1) Die russische FuMS P-15, egal ob Variante S, M, NM, M1 oder M2, war nicht nur die kleinste, lauteste und wärmste
FuMS des Warschauer Vertrages, sondern auch die mit der maximalsten RÖNTGEN-Nebenstrahlung überhaupt!

2) Die russischen Konstrukteure kannten offensichtlich das Problem, denn die Fenster zum Sendeschrank waren aus
strahlungsundurchlässigem Bleiglas und es gab zu Messzwecken nur eine kleine Serviceklappe an der Tür des
Sendeschrankes



Quelle : Screenshot aus dem Film "Tödliche Strahlung - Die Radarsoldaten der NVA" - Bleiglas-Sichtfenster

3) Die Hauptquelle für die Röntgenstrahlung war nicht das Magnetron, wie zu vermuten wäre, sondern es waren
die Modulatorröhren GMI-90 und die Gleichrichterröhren W1-0,1/30, wobei die Dosisleistung von den zwei GMI-90 dominiert
wurde und die Beiträge der vier Gleichrichterröhren vernachlässigbar war

1)2)
3)
Quelle der Fotos :
1) eigenes Foto - GMI-90 in meinem Arbeitszimmer
2) eigenes Foto - GMI-90 im Militärmuseum Steinheid
3) Screenshot aus dem Film "Tödliche Strahlung - Die Radarsoldaten der NVA"

4) Die ionisierende Strahlung konnte aus dem quasi "Faradayschen Käfig" des Sendeschrankes eigentlich nicht entweichen,
das Problem war das gleiche Problem, wie bei russischen Autos - das Spaltmass der Türen !
Aus den Spalten der Flügeltür, vor allem an der Oberkante, gelangte die Röntgenstrahlung in den Stationsinnenraum -
durch die obere Spalte austretende Strahlung traf dabei genau auf den Kopf einer vor dem Sendeschrank sitzenden Person.



Aber auch durch die Belüftungsschlitze des Sendeschrankes konnte die krank machende Strahlung entweichen :


Quelle : Screenshot aus einer Filmdokumentation von "FAKT" (siehe unten)

5) Die Tür des Sendeschrankes war mit Messerleisten gesichert, die bei Öffnung der Türen die Hochspannung von 27 kV
des Sender zur Sicherheit abschalteten. Bei notwendigen Messungen oder zur Sichtkontrolle am offenen Sendeschrank
musste man diese Schutzschaltung bewusst ausser Kraft setzten, indem man 1-DDR-Mark-Stücken in die Aufnahme der
Messerleisten schob. Das war so üblich und diese "Reparaturhilfe" wurde von den älteren Stationsleitern an die jüngeren
weitergegeben, da man solche "Tricks" nicht an der OHS lernte. Selbst beim Werkstattleiter des FMWL-51 habe ich diese
"Arbeitsmethode" beobachtet.
Mir zeigte mein Freund Norbert diesen "Trick" zum ersten Mal. Alleine wäre ich nie auf so eine "Idee" gekommen -
der Respekt vor den so hohen Anodenspannungen von bis zu 27kV war bei mir viel zu gross !



Quelle : Screenshot aus dem Film "Tödliche Strahlung - Die Radarsoldaten der NVA" - rechts oben eine der Messerleisten

Anmerkung : Bei Ausfällen ihrer Funkmesstechnik standen die Stationsleiter immer unter enormen Zeitdruck, da ein KTE
(Koeffizient der technischen Einsatzbereitschaft) von 0,99 anzustreben war und die Ausfallzeit während der geplanten Einschaltzeit
der FuMS so klein wie nur irgendwie möglich zu halten war - es war keine Zeit, lange zu überlegen - praktikable Lösungen
waren gefragt !)
 
6) Offensichtlich gab es im Funkmesslager der Einheit einen Strahlenschutzanzug, welcher aber niemals benutzt wurde,
weil man sich der lautlosen Gefahr auf den Stationen nicht im Geringsten bewusst war. Das Ding sah aus wie ein Weltraumanzug
und soll ausserdem genauso unbequem gewesen sein und hat auch die Sicht so eingeschränkt, dass eine effektive Fehlersuche
entsprechend den Kriterien im Punkt 5) durch den Techniker schlecht möglich gewesen wäre.

In Steinheid herrschten immer sehr harte Winter mit wahnsinnigen Schneemassen, Stürmen, die mit ihrem eisigem Wind über
das Gelände der Technischen Zone brausten und mit sehr frostreichen Tagen und Nächten. Jeder Soldat, Unteroffizier oder Offizier,
der im Winter auf eine der Stationen 03 oder 03A kam, wärmte sich dort gern auf - immer mit dem Rücken an den schönen warmen
Sendeschrank gelehnt - sich nicht bewusst, dass man dabei eigentlich
stundenlang "geröntgt" wurde !
Wenn man sich das heute überlegt - sehr, sehr makaber !

Selbst im Rahmen der Untersuchung an einer FuMS P-15, den die "Radarkommission" in Auftrag gegeben hatte,
kam es zu einer Verstrahlung eines Soldaten der "Arbeitsgruppe Aufklärung der Arbeitsplatzverehältnisse am Radar",
 wie auch 2002 in verschiedenen Medien berichtet wurde.
Für die notwendigen Untersuchungen wurde eine P-15 M2 aus dem Museumsbestand des Luftwaffenmuseums in Berlin-Gatow
bei der Luftwaffenwerft 51 in Trollenhagen "reaktiviert" und Messungen in verschiedenen Betriebszuständen,
sowohl bei geschlossener als auch bei offener Senderschranktür, durchgeführt.



Ein paar Zahlen zu den Ergebnissen der damals an der 03 gemessenen Ortsdosisleistungen :
 1. bei offenem Sender :
- Hände + Beine    = 2,1 milliSv/h - in 30 cm Abstand
- Kopf, Oberkörper    = 890 microSv/h - in 50 cm Abstand
2. bei geschlossenem Sender :
- Hände :    300 microSv/h - in 10 cm Abstand zur Sendertür
- Kopf :    108 microSv/h - in 50 cm Abstand zur Sendertür
3. am Arbeitplatz bei geschlossenem Sender :
- Stationsleiter - Kopf, Oberkörper :    50 microSv/h - in 20 cm Abstand zur Sendertür
- Funkorter - Kopf, Oberkörper :    0,28 microSv/h - im Abstand von 60 cm zur Sendertür

Vom Sender-Magnetron und der Elektronenstrahlröhre des Sichtgerätes gingen offensichtlich keine Gefahren aus.
Obwohl ich mir gut vorstellen kann, dass das "direkte Hineinschauen" in den Elektronenstrahl der Auslenkung sicherlich
auch nicht gerade gesundheitsförderlich gewesen sein konnte, zumindest nicht für die Augen !

 

Viele lange Jahre schon kämpfen die Radarstrahlenstrahlenopfer um Ihr Recht und ihre Unterstützung.
Der Deutsche Bundeswehrverband und auch private Initiativen unterstützten die Betroffenen dabei.
Auch heute ist dieser Kampf lange noch nicht abgeschlossen, da jeder Einzelfall einer umfassenden Prüfung unterzogen wird.
Die Anerkennung und Entschädigung der Opfer ist und bleibt ein langwieriger und steiniger Weg.
Die Art und Weise, wie mit Radargeschädigten umgegangen wird, entspricht so gar nicht dem eigenen Leitbild, demzufolge
der Bund seine Soldatinnen und Soldaten umfassend umsorgt.
Im Internet findet man viele Beispiele darüber.
Betroffene finden im Internet aber auch Portale, wo sie Hilfe finden können : >>> Klick auf das Banner !

1. Internetportal für strahlengeschädigte Menschen :



2. Bund zur Unterstützung Radarstrahlengeschädigter Deutschland e.V.


 


3. Strahlung-gratis - nein Danke! ... Krebs durch Radar?



N A C H T R A G
"Gefährliche Strahlung"

"Bundeswehr behindert Entschädigung von Radarsoldaten"

... das dazugehörige Video ist leider aus allen Mediatheken verschwunden ...